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Über den Postillion aus der Region Mladá Boleslav

Pošťák

Es ist schon sehr lange her, als Fuhrwerke voll mit Grüßen aus Reisen und mit verliebten Briefen beladen die Welt durchquerten. So war es auch in der Region Mladá Boleslav, die überquerten Postkutschen, welche zum Nord und zum Süd führten. Und eben über einen Spukreiter, der so oft Postpferde aufschreckte, werden bis heute allerlei Legenden erzählt.

Seinerzeit fuhr hier ein junger Postillion. Als er ins Dorf einfuhr,  trällerte er fröhlich.  Und wenn es ihm am fröhlichsten wurde, trompetete er auf seine Posttrompete!

Die Menschen riefen bereits aus der Weite auf den Postler:” Was bringst du uns heute mit?”

Der spornte das Pferd an und erwiderte fröhlich:” Laute gute Nachrichten aus allen Ecken der Welt!”

Die Kästen, die er auf der Kutsche hatte, hütete er sorgfältig.  Wenn gerade in ihr fuhr er die ganze  kostbarste Post, die ihm die Menschen anvertrauten. Er wusste, er darf  sie nicht enttäuschen, dass er alle Nachrichten rechtzeitig und in die richtigen Hände übergeben muss. Und so geschah auch. 

Eines Tages verspätete sich Postillion aber. In  Mladá Boleslav war Kirchweihfest  und  er durfte dort nicht fehlen, das war klar. Er tanzte mit den Mädchen, er kostete die besten Kolatsche und Blutwurste und gegen Abend entschied er sich in ein nicht weitgelegenen Dorf mit den Briefen zu fahren.  

“ Fahr nicht, du weißt doch, was man über den Wald hinter Boleslav erzählt!” warnte ihn der Dorfrichter aus Boleslav.

“ Ich kenne keine Angst, Sie wissen es doch selbst am besten! Und was wäre ich es für ein Postler, wenn ich die anvertrauten Schreiben nicht rechtzeitig übergeben würde?”

Selbst wusste er, dass einige Menschen, die nachts den Wald hinter Boleslav betraten, einen geheimnisvollen Mann auf einem Pferd trafen.  Jeder fürchte sich vor ihm und kaum jemand würde in der späten Nachtstunde in der mysteriösen Wald aufbrechen. In den benachbarten Dörfern plauderte man, dass es der Geist eines boshaften Ober, der sich nach Reichtum sehnte und auf andere dabei nicht sieht, ist. Jetzt   müsse er wohl für seine Sünden spuken.

Der Postillione sprang auf seine Kutsche und fuhr los. Die Pferde gehorchten,  er selbst sang sein beliebtes Lied und freute sich schon, als sich wieder die Augen aller denn,  auf welche in der Truhe ein Brieflein warten, erstrahlen.  Die sicher schon ungeduldig seine Kutsche ausschauen!

Inmitten des Waldes blieben die Pferde stehen und wollten nicht weiter gehen.

“ Na also, los” forderte er sie auf. Da erblickte er jedoch mitten des Wegs einen Feuerschein. Zunächst erschrak er, aber dann schnalzte er an die Pferde und die trabten los. Sie kamen näher. Der Postillione sah einen Reiter mit einem schwarzen Hut und bösen Augen.  Sein Pferd war weiß wie Schnee, aber aus seinen Nüstern kam Feuer, das verbrannte alles, was ihm in die Quere kam. Die Feuerzungen leckten Büsche und Gras.

Der fremde Ritter runzelte und schrie:” Ein weitere Mensch kam mich besuchen, na komm, komm du tapfere Postler, tanzen wir ein Feuertanz zusammen!”

Aber der junge Postillion erschrak nicht. Er erinnerte sich an die tausend Buchstaben, welche er noch heute den hungernden Herzen übergeben musste. Er kam noch näher dran und aus der Stelle, wo er dem Ritter bereits in die Augen schauen konnte, rief er:” Wenn tanzen, dann tanzen! Aber nur mit einer richtigen Musik!”

Er nahm seine Posttrompete und fing an zu spielen. Und er spielte immer weiter. Das Lied klang durch den stillen Wald. Der Postler sah, wie dem weißen Pferd die Flammen aus seinen Nüstern schwinden, wie sich auf dem Gesicht des Ritters ein Lachen zeigt. Der Ritter  lachte auf und mit einem glücklichen Lachen im Gesicht verschwand er im Wald.

Der Postillion trompetete weiter. Und trompetete bis ins Dorf, wo er bereits ungeduldig erwartet wurde. Er verteilte alle Briefe und erfreute damit manche Seelen!  Aber doch aus einem erfreuten Herzchen freute er sich am meisten – aus dem lachenden Herz des geheimnisvollen Ritters.   

Allen erzählte  er dann, was er erlebte. Die Menschen glaubten ihm, der Postler log doch nie. Den Ritter traf im Wald keiner mehr und man sagt, dass ihn gerade das lustige Lied, das er ihn spielte, rettete. Und von Zeit zu Zeit, wenn im Wald die Sonnenstrahlen durchschimmern, soll eine herrliche Melodie erklingen.   Singt sie der Postillion aus der Region Mladá Boleslav? Der mysteriöse Ritter? Die Bäume? Oder der Wind? Wer weiß!

Und so auch Sie, falls sie unterwegs in der Region Mladá Boleslav sein werden, erinnern Sie sich an den tapferen Postillion, der mit seinem fröhlichen Lied dem Geist des bösen Ober half. Und wenn Sie jeden  Tag singen werden, wird die ganze Welt fröhlicher sein.

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Hergestellt 16.6.2005 13:13:04 - aktualisiert 30.3.2020 8:51:45 | gelesen 780x | Jan
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