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Über Pelíšek

Pelíšek

Vorzeiten lebte in Prachovské Felsen ein quirliger Elf. Er hieß Pelíšek. Das deshalb, weil er gern im ganzen Böhmischen Paradies umherlief und einmal siedelte sich da, dann wieder hier an. Jedes Mal baute er sich andere Horste, er hatte vielleicht Dutzend von ihnen im ganzen Land. Gern half er allen seinen Freunden, aber Zeit zu Zeit hat er auch einen Possen gespielt, über den lachte er dann den ganzen Tag.

Am häufigsten könnten Sie ihn eben im Arm von Prachovské Felsen in der kleinen Hölle sehen. Von dort aus hatte er eine herrliche Aussicht auf Riesengebirge, Isergebirge, auf Kozákov und auf Bezděz.

Sein größter Stolz war der kleine  Garten, in dem er eine ganze Menge an Blumen züchtete. Die schenkte ihm selbst der weise Rübezahl. Heilende Quendel und Frauenmantel sammelte er für den Tee.  Im Frühjahr pflegte er  die schneeweisen Märzbecher und Maiglöckchen, die klar gelben Trollblumen und die Dotterblumen. Über den Sommer blühte die kostbare Sternblume auf und im Herbst färbten den Garten die giftigen violetten Herbstzeitlosen. War das ein Anblick!!! Aber, eines Tages kehrte Pelíšek nach Hause zurück und als er seinen Garten sah, bekam er eine riesige Wut! Die Blümchen waren ausgerupft, der Rasen war zertreten!

“ Also das nicht!”, gereiht Pelíšek in Wut,” meinen Garten wird mir keine zunichtemachen! Wenn ich nur herausbekomme, wer das angestellt hat!!!” Sein Zorn klang durch das Tal, wie eine unendliche Wiederhall zwischen den Felsen.

Abends schlich Pelíšek unauffällig an die Fenster der Dorfkneipe und lauschte die lauten Gespräche. “ Meine Herren, jetzt sage ich ihnen etwas, wovon Sie keine Ahnung haben! Der hiesige Ritter  Čéč lädt uns auf seinen Sitz ein! Er habe wohl etwas,  was noch nie jemand gesehen hat!” rief ein kleinerer Mann.

Der zweite, größerer, stand vom Tisch auf und sagte:” Das weiß doch schon die ganze Gegend! Der Ritter Čéč  bekam irgendwo sehr schöne Blumen und er möchte sich mit ihnen prahlen!”

Alle begannen zu lachen:” Sonst würde er uns nicht einladen!”

Das reichte Pelíšek! “ So eine Ungerechtigkeit, auf welcher  jetzt Herr Čéč  sein Rum basiert, muss doch  gerecht bestraft werden!”

Die Nacht hatte es Pelíšek eilig. Er lief in der ganzen Gegend herum und fing Leuchtkäfer, die ihm Hilfe versprachen, in ein Säckchen auf. Tagsüber zählte er sie vorsichtig, damit sie ihm nicht entfliehen. 

Sobald es dunkel wurde, ging  Pelíšek zur Hauptstraße, die zur Herrschaft des Čéč führte. Der Mond stand bereits hoch über den Himmel, durchs Tal klang das Heulen der Eulen. Doch die Nachtruhe wurde von der sich näherten Pferdekoppel untergebrochen.

“ Da fährt er schon, er kommt an,” freute sich Pelíšek,”nun habt ihr, Leuchtkäfer , den Weg frei.” Die Leuchtkäfer flogen aus und glühten ihre Lichtlein entlang der Straße auf.  Pelíšek rannte schnell zum Teich und vergaß dabei  nicht die Lichtlein auf das Gras zu legen. Die letzten Leuchtkäfer, die am meisten leuchteten, flogen über den Teich empor.  Somit wurde für den Herr Čéč  ein erleuchteter Weg bis in den Teich hinein vorbereitet. 

Pelíšek versteckte sich ins Ried und wartete ungeduldig! Der Ritter Čéč streckte die Arme vergeblich nach den leuchtenden Lichtlein.  Wie gerne würde er sie zu Hause, in seinem neuen Garten haben!  Die Kutsche fuhr aus dem Weg direkt in den Teich herab!!! Pelíšek hörte nun mehr,  wie Herr Čéč auf die ganze Welt fluchte, wie er auch auf die kleinen Leuchtkäfer böse wurde. Pelíšek lachte so, dass Herr Čéč im Nu verstand, wer ihm diesen Weg vorbereitet hat.

In die stille und  ruhige Nacht ertönte Pelíšeks Belehrung:” Falls du keinen Schaden haben möchtest, plündere die Natur nicht!”

Diesen Satz vergas Herr  Čéč bis ans Ende seines Lebens nicht.

Er  kletterte aus dem Teich, zitterte vor Kälte.  Auf dem weg sah er  Pelíšek und rief im zu:” Komm, ich gebe dir die ganzen Blumen zurück.”

“ Behalten Sie sie, mein Herr, aber pflegen Sie sie so gut, wie ich sie gepflegt habe,” versetzte  Pelíšek und ging in seine Höhle.

Morgen entschied sich Pelíšek, zum Rübezahl zu gehen. Der schenkte ihm neue Blümchen. Und bei Prachovské Felsen strahlte der Garten von Pelíšek, dem keiner mehr schadete, wieder!

Falls Sie in  Prachovské skály einkehren, werden Sie ganz bestimmt auch Pelíšek seinen kleinen Garten bemerken! Und vielleicht kennen auch Sie Orte, die voll mit schönen Blumen sind. Als Sie sie bei ihren Ausflügen bewundern werden, vergessen Sie Pelíšeks Belehrung nicht!

 

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Hergestellt 16.6.2005 13:33:39 - aktualisiert 30.3.2020 8:45:49 | gelesen 956x | Jan
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